Bundesregierung ohne Überblick über Millionen tote Tiere in der Landwirtschaft
13. Mai 2026
Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass die Bundesregierung keine Angaben über die Zahl der „Falltiere“ in der deutschen Landwirtschaft machen kann. Auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 21/4071) zu den Sterblichkeitsraten von Schweinen, Hühnern und Co. erklärte die Bundesregierung, entsprechende Daten lägen ihr nicht vor. Damit fehlt – mit Ausnahme von Rindern, bei denen jährlich etwa 500.000 Tiere verenden – ein grundlegender Überblick darüber, wie viele Tiere, die für die Lebensmittelproduktion gehalten werden, die Schlachtung gar nicht erst erreichen, sondern verenden oder notgetötet werden müssen.
„Die Bundesregierung hat offensichtlich kein Interesse daran zu wissen, wie viele Tiere in Deutschland “für die Tonne” gezüchtet werden“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Trotz bestehender Strukturen zur Entsorgung der Tiere werden diese Daten nicht systematisch gesammelt oder ausgewertet. Dadurch bleibt unsichtbar, wie groß das tatsächliche Ausmaß von Tierverlusten in der Landwirtschaft ist und wo die größten tierschutzrelevanten Probleme liegen.“
Hinweise auf erhebliches Leiden
Jährlich geht es um Millionen sogenannter Falltiere, die frühzeitig auf landwirtschaftlichen Betrieben versterben. Zu den Todesursachen gehören Krankheiten und Verletzungen – unter anderem aufgrund ungeeigneter Haltungsbedingungen oder leistungsbedingter Überlastung, aber auch Stallbrände oder die Bekämpfung von Tierseuchen. Studien aus Tierkörperbeseitigungsanlagen geben Hinweise darauf, dass viele der „Falltiere“ nicht rechtzeitig, nicht ausreichend oder gar nicht behandelt werden und vor ihrem Tod erheblich leiden. Nottötungen werden zum Teil zu spät oder nicht sachgemäß durchgeführt.
Tierschutzbund fordert Datenbank für „Falltiere“
Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, „eine praxistaugliche Rechtsgrundlage für Kontrolle und Kennzeichnung von toten Tieren in Verarbeitungsbetrieben tierischer Nebenprodukte zu schaffen“. Bisher sind aber diesbezüglich noch keine Schritte erfolgt. Der Deutsche Tierschutzbund fordert neben der Umsetzung dieses Versprechens aus dem Koalitionsvertrag auch eine verpflichtende bundesweite Erfassung aller „Falltiere“ und ihrer Todesursachen in einer Datenbank. Nur so könne sichtbar werden, wie viele Tiere aus welchen Gründen tatsächlich zu Tode kommen – und wo gegengesteuert werden muss.